Sylter und friesische Geschichte

(ein sehr kurzer Ausflug in die bewegte Vergangenheit der Insel)

Die erste Besiedlung der Sylter Geest geht schon auf die Jungsteinzeit (um 3000 v.Chr.) und die Bronzezeit (um 1000 v. Chr.) zurück. Das belegen die vielen Hügelgräber, im Volksmund auch Hünengräber, um die sich so manche Sage rankt. Möglicherweise leitet hieraus auch der Name der Insel "Sylt" ab, von dem altnordischen Begriff "Sylti" = "Insel der Toten". Im friesischen heißt die Insel "Söl" was dem friesischen Wort für (Schuh-) Sohle nahe kommt. Eher abwegig ist die Beziehung zum dänischen "Sild" (=Hering), aufgrund der Form der Insel, da Sylt seinen Namen auch schon trug bevor die Insel die heutige Forme erlangte. Alledings trägt das Wappen der Insel Sylt bis heute den Hering, und den Spruch "Rüm Hart - Klaar Kiming" (=Reines Herz - Klarer Horizont oder Verstand).

Die ersten Besiedler der Insel waren noch keine Friesen, diese wanderten erst im Zuge der Völkerwanderung um 600-800 n. Chr. aus dem Rhein-Ems-Raum zu, verdrängten und mischten sich mit der angelsächsisch-germanischen Urbevölkerung, woraus sich viele Verwandschaften in Brauchtum und Sprache zu den Dänen und Engländern zurückführen lassen.

Die Friesen, im Dritten Reich gerne als "Urgermanen" dargestellt, sind keine Germanen sondern bilden eine eigene Volksgruppe. Die Friesen lebten bereits in der Zeit vor der Völkerwanderung und auch danach, sowohl von der Landwirtschaft als auch vom Fischfang und Handel. So lautet der ursprüngliche Name der Nordsee "Mare Frisicum" - Friesisches Meer. Handelsbeziehungen bis nach Rom lassen sich durch Fundstücke nachweisen. Ihre Handelsvormachtstellung verloren die Friesen durch die aus dem Ostseeraum vordringenden Wikinger und später durch die Hanse.

Die verherenden Sturmfluten taten ihr übriges, sogar Städte - wie das sagenumwobene Rungholt (bei Nordstrand im Jahre 1362) - wurden Opfer der Fluten. Ganze Landstriche holte sich der "Blanke Hans", wie die Nordsee auch genannt wird. Die Küstenlinie wurde vollständig verändert. Die drei Geestkerne der Insel Sylt zwischen Westerland, Kampen und Keitum, in Archsum und in Morsum bildeten, zusammen mit den entstehenden Nehrungshaken nach Norden und Süden und der, sich im Schutz der Insel bildenden Marsch, die Form der heutigen Insel Sylt.

Die Sturmfluten und die dadurch entstehenden Landverluste brachten für die friesische Bevölkerung schwere Notzeiten mit sich. Durch das Verbot für die baskischen Seeleute auf holländischen Schiffen Walfang zu betreiben, konnten die seefahrerisch vorgebildeten Friesen die Vormachtstellung auf Walfangschiffen u.a. aus Amsterdam, Hamburg und Kopenhagen erlangen.

Die seefahrenden Männer wurden am 21. Februar eines jeden Jahres mit dem traditionellen Biike-Brennen, einem alten heidnischen Brauch und dem nachfolgenden Tanz am Petri-Tag oder Piders-Dai, dem Tag des Patrons der Seefahrer und Fischer (Petrus), verabschiedet. Bis zu ihrer Rückkehr im Oktober bewirtschafteten die Frauen die Felder allein, was zu einem weit überdurchschnittlichen Selbstbewusstsein der Frauen geführt hat, welches sich auch in den Sagen der Insel wiederspiegelt.

Bis zum preussisch-östereichisch-dänischen Krieg 1864 war Sylt dänisch, da das Herzogtums Schleswig dem dänischen König gehörte. Danach wurde Schleswig zur preussischen Provinz.

Der Tourismus begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Kurgäste kamen mit Raddampfern von Hoyer-Schleuse nach Munkmarsch, später mit großen Seebäderdampfern von Hamburg via Helgoland nach Hörnum. Den Weg für den Massentourismus eröffnete 1927 der Hindenburgdamm. Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte Sylt einen starken Zuwachs der Touristenzahlen.

Sylt zeigt heute neben dem durch die "Reichen und Schönen" bekannten Kampen mit der Whisky-Straße aber auch ganz andere Gesichter. Bis heute hat die Ostseite der Insel, sei es im Ort Keitum, in Morsum oder Braderup ihre Stille weitestgehend bewahrt. Die Innenstadt Westerlands gehört ebenso zu Sylt wie die Wanderdünen und natürlich die Fischbude von Gosch in List. Landschaftliche Schönheiten bieten die Dünen, die Heide, das Watt und vieles mehr.